{"id":162,"date":"2017-07-01T07:49:54","date_gmt":"2017-07-01T07:49:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/?p=162"},"modified":"2017-07-01T07:49:54","modified_gmt":"2017-07-01T07:49:54","slug":"5-die-kirche-andert-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/2017\/07\/01\/5-die-kirche-andert-sich\/","title":{"rendered":"5. Die Kirche \u00e4ndert sich"},"content":{"rendered":"<p>Die Reformation war kein sehr schneller Vorgang in Finnland. \u00c4nderungen im Leben der Kirche wurden schrittweise durchgef\u00fchrt. Manche \u00c4nderungen wurden erst Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte nach Beginn der Reformation abgeschlossen. Besonders die geistige Einstellung \u00e4nderte sich vermutlich nur sehr langsam.<\/p>\n<p>Die finnischen Laien h\u00f6rten vermutlich nicht in Finnland zum ersten Mal von der Reformation, sondern in den Hansest\u00e4dten Tallinn oder Gdansk, die sie regelm\u00e4\u00dfig besuchten. Sie hatten auch zu anderen St\u00e4dten an den K\u00fcsten der Ostsee enge Kontakte. Sowohl Gdansk als auch Tallinn wurden bereits in den fr\u00fchen 1520er Jahren reformiert und es ist durchaus wahrscheinlich, dass Finnen die reformatorischen Aufst\u00e4nde in diesen St\u00e4dten miterlebten und vielleicht sogar daran teilnahmen.<\/p>\n<div id=\"attachment_243\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-243\" class=\"size-medium wp-image-243\" src=\"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/RiittaLaitinen08Turun-tuomiokirkko-Janne-Tunturi-300x224.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/RiittaLaitinen08Turun-tuomiokirkko-Janne-Tunturi-300x224.jpg 300w, https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/RiittaLaitinen08Turun-tuomiokirkko-Janne-Tunturi-768x575.jpg 768w, https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/RiittaLaitinen08Turun-tuomiokirkko-Janne-Tunturi-1024x766.jpg 1024w, https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/RiittaLaitinen08Turun-tuomiokirkko-Janne-Tunturi-676x506.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-243\" class=\"wp-caption-text\">Innerhalb des Doms von Turku. Das Innere des Doms wurde w\u00e4hrend der Reformation stark ver\u00e4ndert. Die Kirche erlitt im Jahr 1827 gro\u00dfen Schaden im Gro\u00dfbrand von Turku und das Innere wurde daraufhin vollst\u00e4ndig erneuert. Janne Tunturi.<\/p><\/div>\n<p>Das finnische Volk hatte somit zumindest bereits von den Ereignissen der Reformation geh\u00f6rt, als diese im Jahr 1527 offiziell im Schwedischen Reich begann. Trotzdem \u00e4nderte die Reformation die finnische Kultur und Gesellschaft nicht sehr schnell. Die erste sichtbare Ver\u00e4nderung geschah, als die Krone den Gro\u00dfteil der Wertgegenst\u00e4nde wie Reliquiare, Metallkreuze und andere Gegenst\u00e4nde aus wertvollen Metallen von der Kirche einholte. Dies reduzierte die Pracht der Kirchen und beeinflusste so vermutlich auch das geistige Bild von der Kirche.<\/p>\n<p>Die Krone \u00fcbertrug auch zwei Drittel des Einkommens der Kirche auf sich selbst. Dies beeintr\u00e4chtigte die M\u00f6glichkeiten der Gemeinden, neue Kirchengeb\u00e4ude zu bauen oder auch nur die existierenden instand zu setzen. W\u00e4hrend des gesamten 16. Jahrhunderts wurden so gut wie keine neuen Kirchen gebaut. Der Dom von Turku geriet in einen sehr schlechten Zustand, derart, dass sich der neu ernannte Bischof von Turku, Isaacus Rothovius, im Jahr 1627 dar\u00fcber beklagte, dass sogar das Dach der Kirche vollst\u00e4ndig kaputt sei und es im Winter in die Kirche schneie.<\/p>\n<p>Die Liturgie wurde den Prinzipien der Reformation folgend ge\u00e4ndert. Die Landessprache wurde f\u00fcr die gesamte Messe verwendet. Rituale, die als katholisch betrachtet wurden, und Gebete, die an Heilige oder an die<\/p>\n<div id=\"attachment_255\" style=\"width: 247px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-255\" class=\"size-medium wp-image-255\" src=\"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/M012_H4563_1-237x300.jpg\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/M012_H4563_1-237x300.jpg 237w, https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/M012_H4563_1.jpg 505w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><p id=\"caption-attachment-255\" class=\"wp-caption-text\">Eine sehr gut erhaltene mittelalterliche Statue der Madonna mit Kind. CC BY 4.0, The National Museum of Finland<\/p><\/div>\n<p>Jungfrau Maria gerichtet waren, wurden schrittweise aufgegeben. Weihwasser, Salb\u00f6l und geweihtes Salz wurden nicht mehr verwendet. Die Seitenalt\u00e4re sollten nicht mehr verwendet werden, aber der Wandel ging auch in dieser Hinsicht nur sehr langsam vonstatten, da Bischof Rothovius im 17. Jahrhundert Ma\u00dfnahmen treffen musste, um den Gebrauch der Seitenalt\u00e4re in seiner Kathedrale abzuschaffen.<\/p>\n<p>Insgesamt schien das erste Jahrhundert nach der Reformation eher eine Zeit eines langsamen R\u00fcckgangs gewesen zu sein. Erst nach 1627 begann die Reformation neue Strukturen f\u00fcr die Kirche zu erschaffen. Die Kirche als ein \u00f6ffentlicher Raum sollte nun die lutherisch-orthodoxe Glaubenslehre und die soziale Hierarchie manifestieren. Es wurden neue B\u00e4nke f\u00fcr die Kirchen gebaut, streng in einer hierarchischen Ordnung organisiert. Jede Person hatte ihren eigenen Platz, ihrer sozialen Stellung entsprechend. Auch neue Kanzeln wurden gebaut, um die zentrale Rolle der Predigt in der lutherischen Liturgie zu betonen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><strong>Ikonoklasmus in Finnland<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_246\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-246\" class=\"size-medium wp-image-246\" src=\"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/M012_H1744_1-1-220x300.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/M012_H1744_1-1-220x300.jpg 220w, https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/M012_H1744_1-1.jpg 469w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><p id=\"caption-attachment-246\" class=\"wp-caption-text\">Die Statue der Madonna mit Kind, mit\u00a0abgeschnittener Nase. CC BY 4.0 The National Museum of Finland.<\/p><\/div>\n<p>Es gibt keine schriftlichen Beweise f\u00fcr Ikonoklasmus in Finnland und eine<\/p>\n<p>vergleichsweise hohe Zahl an mittelalterlichen Statuen von Heiligen sind in Finnland erhalten geblieben. Dennoch wurden die Statuen nicht in Ruhe gelassen. Stattdessen wurden sie vermutlich aus den Schreinen, in denen sie standen, herausgenommen und somit wurde ihre heilige Ausstrahlung vermindert. Die Statuen wurden auch ihres Schmuckes oder ihrer Kronen aus wertvollen Metallen beraubt, als der K\u00f6nig die Wertgegenst\u00e4nde der Kirche in Besitz nahm.<\/p>\n<p>Es gibt auch ein paar Anzeichen f\u00fcr einen m\u00f6glichen Ikonoklasmus, da die Nasen vieler Statuen abgebrochen sind, als ob sie abgeschnitten wurden. Auf jeden Fall wurden die Statuen in den Jahrhunderten nach der Reformation umgewandelt, wiederverwendet oder dem Verfall \u00fcberlassen. Was gemalte Fresken betrifft, so wurden diese im 16. Jahrhundert gr\u00f6\u00dftenteils intakt gelassen, aber in manchen Kirchen wurden sie viel sp\u00e4ter, im 18. und 19. Jahrhundert, \u00fcberdeckt.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die Reliquien des Doms von Turku<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Reformation verloren die Reliquien von Heiligen ihre Bedeutung als heilige<\/p>\n<div id=\"attachment_249\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-249\" class=\"size-medium wp-image-249\" src=\"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/AkiArponen02Getsemanen-kivet-reliikkik\u00e4\u00e4re-avattuna-300x172.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/AkiArponen02Getsemanen-kivet-reliikkik\u00e4\u00e4re-avattuna-300x172.jpg 300w, https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/AkiArponen02Getsemanen-kivet-reliikkik\u00e4\u00e4re-avattuna-768x441.jpg 768w, https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/AkiArponen02Getsemanen-kivet-reliikkik\u00e4\u00e4re-avattuna-1024x588.jpg 1024w, https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/AkiArponen02Getsemanen-kivet-reliikkik\u00e4\u00e4re-avattuna-676x388.jpg 676w, https:\/\/blogit.utu.fi\/reformationfinland\/wp-content\/uploads\/sites\/108\/2017\/06\/AkiArponen02Getsemanen-kivet-reliikkik\u00e4\u00e4re-avattuna.jpg 1738w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-249\" class=\"wp-caption-text\">Die Steine aus Getsemani, eines der erhaltenen Relikte aus dem Dom von Turku. Aki Arponen.<\/p><\/div>\n<p>Gegenst\u00e4nde und wurden nicht mehr verehrt. Es gab jedoch keine klaren Anweisungen, was nach der Reformation mit diesen Reliquien geschehen sollte. Im Dom von Turku wurden einige der Reliquien im Hinterzimmer der Sakristei aufbewahrt, gesch\u00fctzt vor den zahlreichen Feuern, die die Kathedrale verw\u00fcsteten. Zu den Reliquien z\u00e4hlen das Fragment eines Knochens, das dem heiligen Pankratius zugeschrieben wird, Steine aus Getsemani und ein Totensch\u00e4del und zwei Knochen eines Unterarms, m\u00f6glicherweise eine Reliquie des heiligen Heinrichs, des Schutzpatrons von Finnland. Es scheint also, dass die Reliquien auch noch nach der Reformation f\u00fcr wichtig gehalten wurden, obwohl sie nicht mehr verehrt wurden.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Reformation war kein sehr schneller Vorgang in Finnland. \u00c4nderungen im Leben der Kirche wurden schrittweise durchgef\u00fchrt. 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